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Birgit Schlegel: Zur Geschichte von Katlenburg - Lindau |
Die heutige Großgemeinde Katlenburg - Lindau wurde am 1. März 1974 aus den bisher selbständigen Gemeinden Katlenburg-Duhm, Lindau, Gillersheim, Berka, Elvershausen, Wachenhausen und Suterode gebildet.
Man kann sie als Nachfolgerin des alten grubenhagenschen Amtes Katlenburg ansehen, das vom 16. bis 19. Jahrhundert bestand. Katlenburg-Duhm, Gillersheim, Wachenhausen und Suterode gehören vom Beginn an zu diesem Amt, Berka folgte im 17. Jahrhundert. Lindau war der Verwaltungssitz eines eigenen eichsfeldischen Amtes und Elvershausen gehörte zum Amt Brunstein oder Amt Northeim.
Das Amt Katlenburg war verwaltungsmäßig Nachfolger des Klosters Katlenburg, das von den Grafen von Katlenburg gegründet worden war. Diese waren mächtige Herren, Grafen im Linsgau, gehörten dem Reichsadel an und errichteten hier wohl im 10. Jahrhundert die Katlenburg. Als Graf Dietrich III. wahrscheinlich aus Frömmigkeit auf dem Burgberg ein Kloster gegründete, ließ er die Mauern der Burg niederreißen. Die Stiftung des Klosters wurde durch eine Urkunde aus dem Jahre 1105 bestätigt, die für Katlenburg, Gillersheim, Wachenhausen und Berka die erste urkundliche Erwähnung zeugt noch die romanische Krypta der Kirche auf dem Burgberg, in der auch der letzte Katlenburger Graf nach seinem Tode im Jahre 1107 begraben wurde. Im Jahre1346 brannte das Kloster durch Brandstiftung nieder. Die Kirche wurde im gotischen Stil wieder aufgebaut, wie man noch heute an ihrem Chor sehen kann. Auch das sogenannte Magazingebäude mit einer gotischen Kapelle, wahrscheinlich die ehemalige Propstei, stammt noch aus der Klosterzeit.
Das Kloster Katlenburg wurde zum bedeutendsten Grundherren der Umgebung; sein gesamter Besitz wurde 1525 in einem Lagerbuch dokumentiert. Doch nach Beginn der Reformation wurde das Kloster im Jahre 1534 aufgelöst. Der letzte Grubenhager Herzog, Philip II., erbaute nun auf dem Burgberg ein Schloß und residierte hier für einige Jahre. Die Verwaltung des Besitzes, zu Klosterzeiten in den Händen eines Propstes, übernahm nun ein Amtmann des Fürstentums Grubenhagen. Er hatte seinen Amtssitz auf dem Burgberg, er verwaltete, zog die Abgaben ein und hielt Gerichtssitzungen. Im Jahre 1626 wurde der Amtssitz zerstört, jedoch kurz nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges wieder aufgebaut. Der Merianstich aus dem Jahre 1654 zeigt, dass zu ihm mehrere Gebäude und ein Gutshof gehörten. Für die wiederhergestellte Kirche schuf der Osteroder Holzschnitzer Andreas Gröber eine Kanzel und einen wunderschönen Altar, der später zu einem Kanzelaltar umgestaltet wurde.
Im Jahre 1832 wurde das Amt Katlenburg mit dem Amt Lindau zum Amt Katlenburg - Lindau zusammengelegt, wobei Lindau Amtssitz wurde und auf dem Burgberg nur der Domänenhof blieb. Das Amt Lindau hatte bis 1802 zum katholischen Eichsfeld gehört und war 1816 zu Hannover gekommen. Doch schon 1885 waren alle heutigen Ortsteile eigenständige Gemeinden, wobei sechs zum Kreis Northeim gehörten und Lindau zum Kreis Duderstadt. Durch die Reformen der Jahre 1973/74 entstand die heutige Verwaltungseinheit.
Katlenburg entwickelte sich aus der Anlage auf dem Burgberg, die 1105 erstmals urkundlich genannt wurde, dem Dorf Duhm unterhalb des Berges sowie dem Vorwerk Albrechtshausen. Duhm war zunächst hufeisenförmig um den Berg gebaut; nach den Zerstörungen des dreißigjährigen Kriegs entwickelte es sich zu einem Straßendorf entlang der Straße von Northeim nach Duderstadt. In der Ortsmitte befand sich außerdem eine für den Frachtverkehr wichtige Abzweigung in den Harz. Duhm war durch die Produktion von besonders reinem Leinen bekannt, da sich das Wasser der Steinlake besonders gut für die Verarbeitung des Flachses eignete. Bedeutung bekam der Ort durch die Errichtung einer Bahnstation im Jahre 1868, die zu einem raschen Bevölkerungswachstum führte. Auch den Zuzug von zahlreichen Flüchtlingen nach dem zweiten Weltkrieg vergrößerte sich das Dorf auf Dauer, da viel hier bei der Fruchtweinfirma Dr. Demuth Arbeitsplätze fanden.
Lindau wurde 1184 erstmals urkundlich genannt. Ein hildesheimer Bischof errichtete hier um 1322 auf dem Burgbezirk einen uneinnehmbaren Palast, das Mushaus, das älteste Gebäude der Gemeinde Katlenburg - Lindau. In ihm war bis 1741 die Lindauer Amtsverwaltung untergebracht. Danach wurde ein neuer barocker Amtssitz gebaut, vom dem nur noch das Portal in der Lindauer Schule erhalten wurde. Ab 1754 wurde hier eine katholische Kirche im Eichsfelder Barockstil erbaut. Lindau war den Flecken, d. h. es hatte Marktrechte und war daher ein wirtschaftliches Kleinzentrum. Durch die Ansiedlung der Jutespinnerei Greve im Jahre 1872 und durch die Herstellung von Brauereipech wuchs seine wirtschaftliche Bedeutung im 19. Jahrhundert stark an. Heute ist es u.a. Sitz eines international bekannten Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) und eines Zweigwerkes der Elektrokabel Kordes.
Gillersheim wurde in der Urkunde von 1105 erstmals erwähnt. Es war das Dorf mit den meisten Einwohnern und der größten Gemarkung im alten Amt Katlenburg und war für seinen außerordentlich reichen Waldbestand berühmt, in den das Vieh zur Mast getrieben wurde. Um den Ort liegen fünf untergegangene Dörfer, von denen Leisenberg mit seiner Kirchenruine das bekannteste ist. Da im 17. Jahrhundert die größten Höfe in Gillersheim aufgeteilt wurden, gab es hier zahlreiche kleinere Bauernwirtschaften. Anfang des 19. Jahrhunderts war die Pferde- und die Schweinezucht des Dorfes bekannt. Ende des 19. Jahrhunderts begannen Gillersheimer Bauern mit einem genossenschaftlichen Abbau des Kalkvorkommens am Steinberg, das heute als Werk der Firma Wüstefeld für die Land- und Forstwirtschaft Bedeutung besitzt.
Auch Berka wurde erstmals in der Urkunde von 1105 genannt, es ist jedoch mit Sicherheit weit älter, denn schon im 9. Jahrhundert war die Martinskirche in Berka ein frühes kirchliches Zentrum. Im hohen Mittelalter war Berka Sitz eines Erzpriesters, dem die Pfarrerin der Umgebung unterstanden. Das Dorf war der wertvollste Besitz des Klosters Katlenburg und wurde deshalb 1346 verpfändet, als das Kloster für den Wiederaufbau nach einem verheerenden Brand Geld brauchte. Berka kam als Hildesheimer Besitz zum Amt Lindau, von dem es sich jedoch 1622 löste. Es war durch die fruchtbaren Ländereien in der Rhumeebene ein wohlhabendes Dorf, das vor allem vom Getreide--, Flachs- und Tabakanbau lebte. Im Jahre 1923 wurde hier ein wichtiges elektrisches Umspannwerk errichtet.
Elvershausen soll schon 1082 erstmals urkundlich erfaßt worden sein, jedoch ist dieser Beleg umstritten. Sicher nachweisbar ist ein Ritter aus Elvershausen im Jahre 1270, der damals auf einer Burg oberhalb des Dorfes wohnte. Die damaligen Herren waren ein Zweig der Herren von Susa, die 1542 ausstarben. Seine besondere Bedeutung bekam Elvershausen durch seine Lage inmitten von ausgedehnten Waldgebieten einerseits und der nach der Einmündung von Oder und Söse hier kraftvoll fließenden Rhume andererseits. Im 18. Jahrhundert waren in Elvershausen mehrere Floßmeister ansässig, die Bauholz auf der Ruhme und Leine bis Hannover flößten. Andere trieben hier einen bedeutenden Holzhandel, und auch das Zimmereihandwerk spielte eine große Rolle. 1910 entstand an der Rhume beim Unterdorf eine noch heute wichtige Anlage zur Stromerzeugung.
Auch Wachenhausen wurde erstmals 1105 bei der Gründung des Katlenburger Klosters urkundlich belegt. Sein mittelalterliches Zentrum befand sich entlang der Beeke, einem heute teilweise verrohrten Bach. Es besaß im Mittelalter eine Kirche sowie mindestens zwei Tore, was auf eine Umzäunung hindeutet. Mach dem Dreißigjährigen Krieg gingen die Wachenhäuser in die Kirche auf dem Burgberg, der Kirchhof befand sich jedoch bis ins 19. Jahrhundert im Gänsewinkel. In Wachenhausen gab es einige größere Bauernhöfe, für die neben dem Ackerbau der Flachsanbau Bedeutung hatte. Viele Wachenhäuser wurden Handwerker oder Arbeiter, die auswärts eine Stelle fanden und die Landwirtschaft im Nebenbetrieb führten.
Suterode wurde 1287 urkundlich genannt, als ein Ritter von Susa aus dem damals hier ansässigen Adelsgeschlecht als Zeuge aufgeführt wurde. Das Dorf war Sitz einer Burg, die noch 1525 erwähnt wurde, als das Dorf Besitz des Klosters Katlenburg geworden war. Das Dorf war abseits des Verkehrs gelegen und wuchs deshalb nur langsam. Kirchlich wurde es von Katlenburg aus in der 1649 renovierten Kapelle betreut. Wirtschaftlich hatte der umliegende Wald für die Bewohner besondere Bedeutung, da ein großer Teil der Männer im Winter als Waldarbeiter Beschäftigung fanden und die Bauern ihre Pferde für das Holzrücken verdingten. Nördlich von Suterode lag das mittelalterliche Dorf Husen, von dem noch heute die Revierförsterei und das Naturschutzgebiet der Husumer Teiche ihren Namen haben.